Ungefähr zwanzig habe ich davon in meinem Zimmer stehen. Ich benötige sie um Informationen unterschiedlichster Art beisammen zu halten. Das betrifft Vorlesungsmitschriften, wichtige Dokumente, Abrechnungen, Hausarbeiten, Notiz- und Lernzettel.
Aktenordner sind eine gute Erfindung. Sie helfen uns Ordnung in unsere Zettelwirtschaft zu bringen und Teile unseres Lebens zu sortieren. Das gelingt nicht immer und auch nicht bei jedem, aber das Grundprinzip der individuell-sortierten Aufbewahrung funktioniert. Wir odnen die Blätter, Notizen und Informationen nach einem von uns bestimmten Prinzip und stellen sie somit in einen Zusammenhang.
Unsere individuelle und kollektive Ausrichtung auf Gott ist wie so ein Aktenordner. Im Glauben erfahren wir uns selber eingeodnet in einen sinnstiftenden Lebenszusammenhang. Wir sehen, dass unser eigenes Bild von der Welt in einem Kontext steht, den wir uns erstmal primär selber ausgedacht haben. Das liegt auch daran, dass wir nicht alles wissen können. Unser eigenes, angehäuftes Wissen ist nur ein Bruchteil des Gesamtwissens, dass wir uns als Menschheit angehäuft haben. Es ist inzwischen so viel und ausdifferenziert, dass wir uns lediglich spezialisieren können und anderes ignorieren müssen. Doch in der Ausrichtung auf Gott erfahren wir uns selber als eingeordnet in einen Zusammenhang, der uns Sinn ergibt und uns Sinn gibt. Eingeordnet in diesen Zusammenhang entdecken wir die Gelassenheit, nicht alles wissen zu brauchen. Darin wächst Vertrauen auf Gott. Ein Vertrauen, dass auch im Leid besteht, wenn alles keinen Zusammenhang mehrt hat und keinen Sinn zu ergeben scheint. Ein Vertrauen, dass uns nicht alleine lässt und erkennend zu Gott sagt:
"Du bist hier bei mir und kennst mich durch und durch. Du verstehst mich und meine Situation. Du bist der, der bleibt. Statt zu gehen kommst du bewusst zu mir. Auf dich verlass ich mich, dir vertraue ich."
Advent bedeutet in seiner individuellen und kollektiven Ausrichtung auf Gott neu zu erkennen, dass man eingeordnet ist in einen sinnstiftenden Lebenszusammenhang. Diese Einordnung lässt uns nicht einfach in einem Regal stehen, sondern lässt uns erfahren, dass wir immer "auf Gottes Schreibtisch" liegen. In dieser Erfahrung erkennen wir Gottes Allgegenwart - im Alltag und in nicht alltäglichen Momenten.
Advent lässt in uns die Zuversicht wachsen, dass wir nicht im Schrank verstauben, sondern immer offen bei Gott "auf dem Schreibtisch" liegen.

O Mann, was ist das? - So habe ich mich dreimal gefragt, als ich versuchte, das Bild zu erkennen... Erst der Text hat mir das Geheimnis erschlossen.
AntwortenLöschenAls Dorfpfarrer stauen ich einerseits, worüber man alles andächtige Gedanken in die (Blogger-) Welt setzen kann. Noch dazu, wo ich einer bin, der mit Akten und Bürokratie nicht gerade auf freundschaftlichem Fuße lebt... Aber es stimmt: Manches habe ich mir auch abgeheftet. Manches auch nur unter dem Motto: "GGGG - gelesen, gelacht, gelocht, geheftet..."
Aus diesem Eintrag küre ich heute mal die Sätze des Tages, und die stehen am Ende:
"In dieser Erfahrung erkennen wir Gottes Allgegenwart - im Alltag und in nicht alltäglichen Momenten. Advent lässt in uns die Zuversicht wachsen, dass wir nicht im Schrank verstauben, sondern immer offen bei Gott "auf dem Schreibtisch" liegen."