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Freitag, 6. April 2018
Montag, 23. Januar 2017
Sonntag, 27. Dezember 2015
Donnerstag, 24. Dezember 2015
Zerbrochenheit 2
Der Zug fährt los, weg von der Hektik der stillen Tage. Ich lasse die Stadt für wenige Tage hinter mir. Draußen ziehen Landschaften und Wälder vorbei. Kein Stress - nur den Blick schweifen lassen und in Gedanken versinken.
Etwas Ruhe vor dem lauten Geschrei der "Stillen Zeit". Dabei war Stille Zeit doch als Ausrichtung auf Gott gedacht.
Traditionen und Schmuck ist ja schön und gut, doch wenn es ablenkt ist es zu hinterfragen. Es ist die Frage, was im Zentrum der Tradition steht, wie wir sie heute feiern. Es ist nicht die Familie oder die Stimmung, nicht das Fernsehprogramm, nicht die Geschenke, nicht der Kerzenschein, nicht das Buffet, nicht der Tannenbaum oder die geschmückte Stube. Würden wir uns darauf konzentrieren zu Heilig Abend, können wir es "Winterfest" nennen. Es wäre ein Fest, das seinen Kern verloren hat.
Doch was feiern wir?
Oft wird Gott vorgeworfen, es sei nicht da, er wäre so weit weg. Es werden Gottesbilder der Ferne beschrieben oder des zu-beschäftigt-Seins mit dem Universum und dem ganzen Rest. Das sind Gottesbilder, die uns suggerieren sollen, dass Gott mit uns nichts zu tun haben wolle und auch nichts mit uns zu tun haben solle. Quasi: "Halte dich fern von dem Gott, den ich als fern definiere!"
Aber dem ist nicht so.
Heute feiern wir das genaue Gegenteil.
Wir feiern, dass Gott zu genau dem wird, dass wir verstehen, wie wir verstanden werden wollen.
Gott wurde Mensch.
Wir können, spätestens seit Jesu Geburt, Gott in keiner Weise vorwerfen, dass er uns fern wäre, da er einer von uns wurde - wie du und ich.
Wir können, spätestens seit Jesu Geburt, Gott in keiner Weise vorwerfen, dass er uns nicht verstehen würde, da er Mensch wurde – wie du und ich.
Gott zeigte uns, dass er nicht nur die subjektive Ebene des Menschseins verstehen kann. Er zeigt, dass er die subjektive Seite des Menschseins lebt. In diesem Menschsein-leben, zeigt er, dass er uns liebt. Er zeigt uns, dass er in dieser kaputten Welt, die wir uns so gerne schön reden, anwesend ist, uns nicht alleine lassen kann und will. Er zeigt uns, dass unsere zerbrochene, zerstrittene und kriegerische Welt ihn nötig hat.
Advent, Heilig Abend und Weihnachten bedeutet zu feiern. Zu feiern, dass Gott Mensch wurde. Es bedeutet die Reichweite zu ergründen und zu erfassen, wen und was das alles einschließt. Es bedeutet unsere Ausrichtung auf Gott in seiner Ausrichtung auf die Welt zu leben. Es bedeutet zu erkennen, warum wir ihn nötig haben.
Wenn Gott Mensch wurde, sollten wir das auch werden. Weihnachten ist kein Fest der Familie. Es ist ein Fest der Menschwerdung. Ein Fest der Menschwerdung Gottes und unserer Ausrichtung auf die Menschen, in unserer Ausrichtung auf Gott. Wenn Gott uns als Mensch nahekommt, dann kommt er uns auch in jedem Menschen nahe. Das ist unabhängig von der Familienbande.
Wir brauchen Weihnachten nicht als Familienfest überladen. Es ist zwar wichtig, Familienbande zu pflegen, aber das ist nicht das Zentrum von Weihnachten. Jesus ist das Zentrum von Weihnachten. Gott wurde in Jesus Mensch. Wir sind in Christus Jesu Brüder. Gott stellt uns also in seiner Familie zusammen – als Geschwister.
Heute feiern wir also Gottes Menschwerdung und unser zusammengestellt sein.
Ich hoffe, dass sich das auch in eurem Feiern wiederspiegelt.
Etwas Ruhe vor dem lauten Geschrei der "Stillen Zeit". Dabei war Stille Zeit doch als Ausrichtung auf Gott gedacht.
Traditionen und Schmuck ist ja schön und gut, doch wenn es ablenkt ist es zu hinterfragen. Es ist die Frage, was im Zentrum der Tradition steht, wie wir sie heute feiern. Es ist nicht die Familie oder die Stimmung, nicht das Fernsehprogramm, nicht die Geschenke, nicht der Kerzenschein, nicht das Buffet, nicht der Tannenbaum oder die geschmückte Stube. Würden wir uns darauf konzentrieren zu Heilig Abend, können wir es "Winterfest" nennen. Es wäre ein Fest, das seinen Kern verloren hat.
Doch was feiern wir?
Oft wird Gott vorgeworfen, es sei nicht da, er wäre so weit weg. Es werden Gottesbilder der Ferne beschrieben oder des zu-beschäftigt-Seins mit dem Universum und dem ganzen Rest. Das sind Gottesbilder, die uns suggerieren sollen, dass Gott mit uns nichts zu tun haben wolle und auch nichts mit uns zu tun haben solle. Quasi: "Halte dich fern von dem Gott, den ich als fern definiere!"
Aber dem ist nicht so.
Heute feiern wir das genaue Gegenteil.
Wir feiern, dass Gott zu genau dem wird, dass wir verstehen, wie wir verstanden werden wollen.
Gott wurde Mensch.
Wir können, spätestens seit Jesu Geburt, Gott in keiner Weise vorwerfen, dass er uns fern wäre, da er einer von uns wurde - wie du und ich.
Wir können, spätestens seit Jesu Geburt, Gott in keiner Weise vorwerfen, dass er uns nicht verstehen würde, da er Mensch wurde – wie du und ich.
Gott zeigte uns, dass er nicht nur die subjektive Ebene des Menschseins verstehen kann. Er zeigt, dass er die subjektive Seite des Menschseins lebt. In diesem Menschsein-leben, zeigt er, dass er uns liebt. Er zeigt uns, dass er in dieser kaputten Welt, die wir uns so gerne schön reden, anwesend ist, uns nicht alleine lassen kann und will. Er zeigt uns, dass unsere zerbrochene, zerstrittene und kriegerische Welt ihn nötig hat.
Advent, Heilig Abend und Weihnachten bedeutet zu feiern. Zu feiern, dass Gott Mensch wurde. Es bedeutet die Reichweite zu ergründen und zu erfassen, wen und was das alles einschließt. Es bedeutet unsere Ausrichtung auf Gott in seiner Ausrichtung auf die Welt zu leben. Es bedeutet zu erkennen, warum wir ihn nötig haben.
Wenn Gott Mensch wurde, sollten wir das auch werden. Weihnachten ist kein Fest der Familie. Es ist ein Fest der Menschwerdung. Ein Fest der Menschwerdung Gottes und unserer Ausrichtung auf die Menschen, in unserer Ausrichtung auf Gott. Wenn Gott uns als Mensch nahekommt, dann kommt er uns auch in jedem Menschen nahe. Das ist unabhängig von der Familienbande.
Wir brauchen Weihnachten nicht als Familienfest überladen. Es ist zwar wichtig, Familienbande zu pflegen, aber das ist nicht das Zentrum von Weihnachten. Jesus ist das Zentrum von Weihnachten. Gott wurde in Jesus Mensch. Wir sind in Christus Jesu Brüder. Gott stellt uns also in seiner Familie zusammen – als Geschwister.
Heute feiern wir also Gottes Menschwerdung und unser zusammengestellt sein.
Ich hoffe, dass sich das auch in eurem Feiern wiederspiegelt.
Mittwoch, 23. Dezember 2015
Zielen
Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich zu Hause im Keller mit meinen Geschwistern Dart gespielt habe. Je nach Alter hatten wir natürlich eine unterschiedlich entwickelte Feinmotorik, Hand-Augen-Koordination und Armlänge, was sich natürlich positiv oder negativ auf mein Ergebnis auswirkte, je nachdem, ob ich gegen meine ältere Schwester oder meinen jüngeren Bruder spielte. Klar, dass ich da lieber gegen meinen jüngeren Bruder spielte und ihn als Lieblingsgegner hatte. Umso größer war aber die Freude, sobald ich gegen meine ältere Schwester gewann.
Oft begegnet mir ein Missverständnis. Ich habe es häufig bei mir beobachtet, umso mehr schmerzt es, dies bei anderen zu beobachten. Im Bild gesprochen handelt es sich dabei um das Zielen - wie auf eine Dartscheibe. Man braucht eine gute Koordination, Training, Feinmotorik und, ab und an, einen langen Arm. Es geht dabei um das Ziel der individuellen und kollektiven Ausrichtung. In erster Linie scheint dies von uns aus Gott zu sein. Doch das ist falsch. Ja, wir richten uns auf Gott aus, doch das ist nur ein Zwischenziel - ein gutes Zwischenziel. Aber das Zwischenziel ist nicht das eigentliche Ziel. Wir sollten uns fragen, wer eigentlich zielt. Das ist Gott. Wenn es Gottes Intention ist, dass wir uns individuell und kolltektiv auf ihn ausrichten, dann sollten wir eher diesem Ziel folgen. In unserer individuellen Ausrichtung auf Gott ist also ein Ziel, dass man sich in Gemeinschaft auf Gott ausrichten kann. In unserer kollektiven Ausrichtung auf Gott ist ebenso ein Ziel, dass wir uns individuell auf Gott ausrichten können.
Dennoch - auch das ist nur ein Zwischenschritt und beschreibt die fromme Selbsterhaltung. Damit kann nur der "grüne 25-Punkte-Kreis", aber nicht der "rote 50-Punkte-Kreis" gemeint sein.
Betrachte ich das Evangelium, um den roten 50-Punkte-Kreis zu treffen, so gibt es folgende Beobachtung. "Evangelium" ist eine Kommunikationsgattung - also ein bestimmter Stil um etwas bestimmtes einer bestimmten Zielgruppe mit einem bestimmten Inhalt und einem bestimmten Anspruch mitzuteilen. Dieser Stil liegt uns in verschriftlichter Form in der Bibel vor. Um dem frommen Missverständnis vorzubeugen: "Evangelium" bedeutet wortwörtlich übersetzt die "frohe Botschaft". Der Inhalt dieser Botschaft ist eine Information über einen König. Das betrifft Geburt, Leben, Lehre, Tod und weiteres Befinden. Die Zielgruppe dieser Botschaft besteht aus allen Menschen im Herrschaftsbereich dieses Regenten.
Im christlichen Kontext wird dieser König mit Jesus identifiziert. Die theologische Bedeutung ist demnach: Weil Jesus der König der Welt ist, gilt das Evangelium allen Menschen - nicht lediglich den Christen. Alle Menschen sind im Herrschaftsbereich Christi - es ist an uns ihnen die frohe Botschaft zu bringen. Besonders jetzt aktuell, da wir morgen die Geburt feiern - was auch eine Nachricht ist, die in alle Teile des Herrschaftsbereiches gebracht werden musste.
Zurück zum Bild.
Wenn das Ziel Gottes ist, dass die Menschen in einer Beziehung zu ihm stehen sollen, die ihm gegenüber positiv und bejahend ist, dann kann eine fromme Selbsterhaltung nicht unser Ziel sein. Fromm ausgedrückt - nach der Bekehrung zu Christus, als dem eigenen Herrn, haben wir eine Bekehrung zur Welt nötig. Warum? Weil wir das genau jetzt zu Weihnachten feiern. Gott wendet sich allen Menschen zu - nicht lediglich denjenigen, die sich Christen nennen.
Advent bedeutet in der individuellen und kollektiven Ausrichtung auf Gott, Gottes Ausrichtung auf den Menschen zu erkennen. Das bedeutet ein Umdenken und Gottes Ziel nachzugehen - er zielt auch auf die Menschen, mit denen wir zu tun haben - ob wir die subjektiv leiden können oder nicht. Wir sollen nicht nur Gott und uns selber lieben. Wir sollen Gott lieben, von ganzen Herzen. Ja. Aber wir sollen auch unseren Nächsten lieben, so wie wir uns selber lieben. Dessen machen wir uns im Advent neu bewusst - was wir eigentlich jeden Tag tun sollten. Das betrifft den Mitbewohner, die Familie, genauso wie Kollegen oder der Typ in der Bahn neben uns. Umso mehr betrifft es aber auch diejenigen, die wir aus unserer Gesellschaft ausschließen - aus den unterschiedlichsten Gründen. Gott wendet sich zu - und wir?
Advent bedeutet, dass wir nicht Gottes Ziel sind. Advent bedeutet, dass Gott uns hineinnimmt in sein Ziel und in sein Zielen. Wir dürfen daran Teilhaben und uns stetig neu und weiter vorbereiten.
Dienstag, 22. Dezember 2015
Qualität
Das ist einer meiner Linsenreinigungsstifte. Auf der einen Seite ist ein Pinsel um Staub zu entfernen, auf der anderen Seite ist ein kleines Stück Leder zu finden. Dieser Stift dient dazu, die Linse der Kamera zu reinigen, bevor sie benutzt wird. Damit soll eine bessere Qualität des Bildes garantiert werden, da weniger Staub und Dreck auf der Linse vorzufinden ist. Je sauberer die Linse, desto besser ist die Qualität des Bildes.
Für die individuelle Ausrichtung auf Gott stellt dies ein gutes Symbol dar.
Auf der einen Seite steht der reinigende Charakter des Stiftes - Im Gebet, als Ausrichtung auf Gott, kommen wir als ganze Kamera / als ganzer Mensch vor Gott. Das bezieht auch jeglichen Staub und Dreck mit ein. Wir kommen zusammen oder allein vor Gott, mit allem was uns im Alltag ausmacht. Und dann kümmert sich Gott um uns. Der zweite Aspekt betrifft die Regelmäßigkeit und Selbstverständlichkeit des Vorgangs der Reinigung der Linse. Jedes Mal, bevor ein Foto geschossen wird, wird die Linse gereinigt. Diese Regelmäßigkeit und Selbstvertändlichkeit sollte Vorbild sein, wie wir vor Gott treten. Es sollte Gewohnheit sein. Es sollte das Normalste und Grundlegenste sein im Gebet vor Gott zu treten um sich auf diesen Auszurichten und eine Qualitativ hochwertige Beziehung zu Gott zu haben.
Der Advent lehrt uns, dass das Gebet, als Ausdruck der individuellen und kollektiven Ausrichtung auf Gott, grundlegend ist für eine Qualitative Beziehung zu ihm.
Für die individuelle Ausrichtung auf Gott stellt dies ein gutes Symbol dar.
Auf der einen Seite steht der reinigende Charakter des Stiftes - Im Gebet, als Ausrichtung auf Gott, kommen wir als ganze Kamera / als ganzer Mensch vor Gott. Das bezieht auch jeglichen Staub und Dreck mit ein. Wir kommen zusammen oder allein vor Gott, mit allem was uns im Alltag ausmacht. Und dann kümmert sich Gott um uns. Der zweite Aspekt betrifft die Regelmäßigkeit und Selbstverständlichkeit des Vorgangs der Reinigung der Linse. Jedes Mal, bevor ein Foto geschossen wird, wird die Linse gereinigt. Diese Regelmäßigkeit und Selbstvertändlichkeit sollte Vorbild sein, wie wir vor Gott treten. Es sollte Gewohnheit sein. Es sollte das Normalste und Grundlegenste sein im Gebet vor Gott zu treten um sich auf diesen Auszurichten und eine Qualitativ hochwertige Beziehung zu Gott zu haben.
Der Advent lehrt uns, dass das Gebet, als Ausdruck der individuellen und kollektiven Ausrichtung auf Gott, grundlegend ist für eine Qualitative Beziehung zu ihm.
Montag, 21. Dezember 2015
Angespitzt
Es gibt Gegenstände, die entwickeln über die Jahre einen sentimentalen Wert. Ein solcher Gegenstand ist mein Spitzer. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich ihn schon seit der Grundschule habe. Ich vermute, dass ich diesen schon zu meiner Schuleinführung, also an meinem allerersten Schultag, bekommen habe. Irgendwie hat er es geschafft, durch viele Umzüge hindurch und Jahre des Lernens und Studierens, immer noch bei mir zu sein. Nach all den Jahren tut er seine Aufgabe noch und spitzt einen Stift nach dem Anderen.
Für mich ist dieser Spitzer ein Symbol für lebenslanges Lernen geworden.
Übersetzt man den Begriff "Jünger" aus dem Griechischen wortwörtlich, so erhält man ebenso die Bedeutung "Schüler". Die Jünger Jesu waren Schüler. Sie lernten von ihm und waren selten zu müde um Fragen zu stellen. Diese Jünger haben den Auftrag bekommen alle Völker zu Jüngern zu machen - was auch geschieht seit Generationen über die Jahrhunderte hinweg. Wenn also das Ziel des Auftrages ist, dass wir Jünger Jesu sind, also Schüler, die in der Nachfolge stehen und von Jesus lernen wollen, dann gibt es kaum ein besseres Symbol, als einen alten, dreckigen Spitzer. So ein alter, dreckiger Spitzer zeigt, dass er benutzt wurde. Er weist über sich hinaus auf das, was mit den gespitzten Stiften gemacht wird - Lernen ... lebenslanges Lernen.
Und das geniale an dieser Sache ist, dass in der Klasse Jesu alle Schüler sind. Selbst wenn jemand einen Titel erworben hat - dort hat er keine Bedeutung. Alle sitzen im selben Klassenzimmer und lernen bei Jesus. Das tolle daran ist, dass jeder seine Einzelbetreuung bekommt. Jeder befindet sich an seiner eigenen Stelle im "Lernstoff" der Nachfolge. Gegenseitig zu helfen und abschreiben ist erwünscht und gefordert, solange es aus der Nachfolge in die Nachfolge führt und die Nachfolge fördert.
Advent lässt uns erkennen, dass in der individuellen Ausrichtung auf Gott, als Ausdruck der Nachfolge, Jesus uns immer etwas beibringen möchte. Die kollektive Ausrichtung auf Gott, als Ausdruck der Nachfolge, erfahren wir als eine Art "Klassenzimmer", in dem wir uns gemeinsam helfen ihm nachzufolgen. Da genau diese Nachfolge ein lebenslanger Prozess ist, brauchen wir uns gegenseitig als Spitzer, um uns gegenseitig die Sinne zu schärfen, damit wir das gelernte in unser inneres, unser Herz, niederschreiben können.
Vielleicht sollten wir daher in Briefen und E-Mails untereinander mit
"Student Christi" unterschreiben, um uns gegenseitig als Jünger Jesu erkennen
zu geben und das Angebot zu offerieren, füreinander in der Nachfolge da zu sein.
Sonntag, 20. Dezember 2015
Bewegungssicher
Im Doppelpack erwerben wir dies jedes Jahr mehrmals in den unterschiedlichsten Variationen. Sie unterscheiden sich in der Tiefe, dem Muster, der Farbe, dem Materiel und der Umwelt - aber eins geben sie uns alle: Halt. Ziel ist ein sicherer Stand in den unterschiedlichsten Umwelten wie ein Waldweg, in der Stadt, beim Tanzen, im Garten, oder einfach nur auf unserer Arbeit und zu Hause. Das Profil eines Schuhes hat viele Anforderungen, die es erfüllen muss. Dennoch, so unscheinbar es scheint, wir brauchen es.
Bei den Urchristen gab es eine Entwicklung, die mich seit langem beschäftigt.
Die erste Beobachtung ist, dass diejenigen, die Jesus nachfolgten, Juden waren. Sie verstanden sich als Juden, lebten als Juden und nannten sich ebenso - nur, dass sie Jesus nachfolgten, den sie als den Gesandten Gottes erkannten. Die zweite ist die, dass das Evangelium hauptsächlich an diejenigen weitergegeben wurden, die bereits mit dem Judentum vertraut waren - also ebenfalls Juden. Diese erkannten, in der Botschaft des Evangeliums, Jesus als den Gesandten Gottes und folgten ihm nach. Sie nannten sich ebenso weiterhin Juden.
Dann gibt es den folgenden Vers:
Die ersten Christen wurden Christen genannt. Sie nannten sich nicht selber so, sondern wurden anhand ihrer individuellen und kollektiven Ausrichtung auf Christus als Christen erkannt. Weil sie ein entsprechendes Profil hatten, im Unterschied zu den anderen, gab es eine entsprechende Bezeichung dafür, die nicht treffender hätte sein können.
Wie sehr steht das im Unterschied zu den Einstellungen, die mir immer wieder begegnen?
"Wir sind Christen, also machen wir das so und so." "Das sind christliche Werte!" "Ist dies oder das wirklich christlich?" "Der christliche Glaube" "Wir sind doch Christen..." "Das christliche Abendland..."
"Christ", "Christ-sein", "christlich sein" - Wann haben wir eigentlich angefangen uns damit zu schmücken, wenn es doch eine Beschreibung ist, die uns von Außen zugewiesen wurde?
Wir benutzen einen Begriff, den wir komplett statisch verstehen - eine Zustandsbeschreibung, um etwas auszudrücken, was eigentlich mit Leben und umweltorientierten Profil gefüllt sein sollte.
Der Begriff "Christ" sollte kein Begriff sein, den wir uns selber geben. Das wäre eine falsche Aneignung. Es ist besser, wenn wir in Demut sagen, dass wir Jesu Nachfolger sind. Damit geben wir ehrlich zu, dass wir Fehler machen, dass nicht alles ok ist, was wir tun und dennoch im Vertrauen auf Gott, ihm nachfolgen. Wir sind keine perfekten Menschen, wie es der Begriff "Christ" suggeriert, wenn wir uns selbst so nennen würden. Wir sind Menschen, die Jesus nachfolgen wollen, mit Fehlern statt Perfektion. Wir stolpern und fallen hin, wenn wir Christus nachfolgen. Aber im Kontext unserer Lebensumwelt - also im Alltag - finden wir das richtige Profil um Jesus nachzufolgen. Die Leute von außen sollen uns dann an unserem Lebenswandel erkennen und sagen, dass wir "Christen" sind.
Advent bedeutet sich individuell und kollektiv auf Christus auszurichten. In dieser Ausrichtung, die man Nachfolge nennt, identifizieren wir uns selber als Jünger Jesu Christi. Der Begriff "Christ", als Bezeichnung für uns, sollte ein Ehrentitel sein, den wir uns nicht selber zuschreiben. Wir sind Nachfolger Jesu. Als solche folgen wir Jesus im Alltag nach und finden für unseren Lebensweg das passende Schuhwerk mit dem richtigen Profil.
Im Advent lernen wir neu, dass es für uns um die Nachfolge Jesu geht - die anderen erkennen uns am Abdruck unseres Profils.
Samstag, 19. Dezember 2015
Spannung
Sie ist schon ein paar Jahre alt und beginnt langsam zu verstauben. Ab und zu spiele ich dennoch gerne darauf. Es ist meine kleine Djembe, die ich vor ca. 6 Jahren begann mein Eigen zu nennen. Was man hier sieht, sind die Stricke, die nötig sind, um sie zu stimmen. Die richtigen Töne entstehen nicht lediglich durch die Schlagtechniken. Es ist nötig das Fell unter einer Spannung zu halten. Dadurch werden die Töne höher oder tiefer. Außerdem bewirkt eine größere Spannung eine klarere Trennung der Töne, so dass sie besser klingt.
Nun, da wir uns wenige Tage vor Heilig Abend befinden, kommen mir mehr und mehr die verschiedensten Traditionen in den Sinn, die ich damit verbinde. Das berührt viele Ebenen. Zuerst auf der Gesellschaftlichen Ebene - der Weihnachtsrummel mit viel Klimbim, lauter Musik und übermäßig vielen Düften, Lampen und Ständen, der den Konsum anheitzen soll. Magna voce - mit lauter Stimme - soll in den Weihnachtsverkauf eingestimmt werden. Auf der Gemeindlichen Ebene der Gottesdienst mit seinen vielseitigen und dennoch bewährten Traditionen. Danach die Familieninternen Traditionen - der Ablauf, wie man als Familie gemeinsam das Fest zelebriert.
Immer wieder begegnet mir in diesem Kontext eine Diskussion - und lange habe ich da mitdiskutiert:
"Traditionen seien veraltet." "Wir müssen alles neu erfinden." "Das versteht doch keiner mehr." "Das ist nicht modern!" "Die leben das doch eh nicht." "Das sind doch U-Boot-Christen, die Ostern und Weihnachten mal auftauchen..."
Viele dieser Meinungen sind mir begegnet - gerne habe ich (auch aus Provokation) in Diskussionen diese Meinungen mit dargestellt, vertreten oder gespielt. Doch mir reicht es mit dieser oberflächlichen Variante, denn eines haben sie alle gemeinsam - sie gehen am Kern der Sache vorbei und wollen gleichzeitig das Rad neu erfinden. Ansprechend soll es sein, aber einen nicht einbeziehen.
Eine Tradition um der Tradition wegen durchzuführen ist quatsch. Eine Tradition zu leben, ist besser, aber nicht unbedingt sehr viel besser. Es ist besser die Tradition zu durchdringen und verstehend zu leben und ausdrückend zu leben. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach.
Traditionen sind so, wie man eine Djembe stimmt. Es gibt ein Ziel - das Stimmen der Djembe und das Zelebrieren des Festes. Es gibt eine Zielgruppe, die nicht konsumieren, sondern feiern soll und will. Doch wie kann das erreicht werden? Das Bild gibt einen Hinweis. Wenn nicht alle Knotenpunkte miteinander, in gleicher Verteilung ihren Teil dazu beitragen, dass das Fell gespannt wird, klingt die Djembe nicht. Wenn man das Fest nicht feiern will, konsumiert man nur - es fehlt die Spannung an dem Fest. Fehlt die Spannung, dann fehlt der gefühlte Wohlklang des Festes. Jeder, der das Fest in Gemeinschaft feiern will, muss daran aktiv teilnehmen - er muss sich einbringen. Das betrifft auf der einen Seite die Ausgestaltung der Tradition - über die sich klar reden lässt - auf der anderen Seite betrifft es aber im Besonderen die innere Einstellung.
Advent bedeutet, das bewusste Einbringen der individuellen Ausrichtung in die kollektiv gelebte Ausrichtung auf Gott. Jeder kann etwas dazu beisteuern, wenn er möchte. Schließlich ist eine Tradition, die man gemeinsam weiterentwickelt und lebt, Ausdruck dieser Ausrichtung und damit Lobpreis. Es ist Gott zur Ehre.
Man brauch das Rad nicht neu erfinden - man muss sich nur gegenseitig in die Ausrichtung auf Gott mit hineinnehmen.
Die Folge - Formen sind austauschbar, aber niemals veraltet. Es sind Ausdrucksformen, wie man Gott verehrt, persönlich und in Gemeinschaft. Dazu zählen Formen, mit Jahren an Erfahrung, sowie frische und junge Formen. Lasst uns gegenseitig daran teilhaben, wie wir uns auf Gott ausrichten - denn das ist der Kern solcher Traditionen. Im leben der Traditionen sind wir aufeinander angewiesen, so wie eine Djembe von allen Seiten gleichmäßig gespannt werden muss, damit ein Wohlklang erzeugt wird - zur Ehre Gottes.
Freitag, 18. Dezember 2015
Einordnen
Ungefähr zwanzig habe ich davon in meinem Zimmer stehen. Ich benötige sie um Informationen unterschiedlichster Art beisammen zu halten. Das betrifft Vorlesungsmitschriften, wichtige Dokumente, Abrechnungen, Hausarbeiten, Notiz- und Lernzettel.
Aktenordner sind eine gute Erfindung. Sie helfen uns Ordnung in unsere Zettelwirtschaft zu bringen und Teile unseres Lebens zu sortieren. Das gelingt nicht immer und auch nicht bei jedem, aber das Grundprinzip der individuell-sortierten Aufbewahrung funktioniert. Wir odnen die Blätter, Notizen und Informationen nach einem von uns bestimmten Prinzip und stellen sie somit in einen Zusammenhang.
Unsere individuelle und kollektive Ausrichtung auf Gott ist wie so ein Aktenordner. Im Glauben erfahren wir uns selber eingeodnet in einen sinnstiftenden Lebenszusammenhang. Wir sehen, dass unser eigenes Bild von der Welt in einem Kontext steht, den wir uns erstmal primär selber ausgedacht haben. Das liegt auch daran, dass wir nicht alles wissen können. Unser eigenes, angehäuftes Wissen ist nur ein Bruchteil des Gesamtwissens, dass wir uns als Menschheit angehäuft haben. Es ist inzwischen so viel und ausdifferenziert, dass wir uns lediglich spezialisieren können und anderes ignorieren müssen. Doch in der Ausrichtung auf Gott erfahren wir uns selber als eingeordnet in einen Zusammenhang, der uns Sinn ergibt und uns Sinn gibt. Eingeordnet in diesen Zusammenhang entdecken wir die Gelassenheit, nicht alles wissen zu brauchen. Darin wächst Vertrauen auf Gott. Ein Vertrauen, dass auch im Leid besteht, wenn alles keinen Zusammenhang mehrt hat und keinen Sinn zu ergeben scheint. Ein Vertrauen, dass uns nicht alleine lässt und erkennend zu Gott sagt:
"Du bist hier bei mir und kennst mich durch und durch. Du verstehst mich und meine Situation. Du bist der, der bleibt. Statt zu gehen kommst du bewusst zu mir. Auf dich verlass ich mich, dir vertraue ich."
Advent bedeutet in seiner individuellen und kollektiven Ausrichtung auf Gott neu zu erkennen, dass man eingeordnet ist in einen sinnstiftenden Lebenszusammenhang. Diese Einordnung lässt uns nicht einfach in einem Regal stehen, sondern lässt uns erfahren, dass wir immer "auf Gottes Schreibtisch" liegen. In dieser Erfahrung erkennen wir Gottes Allgegenwart - im Alltag und in nicht alltäglichen Momenten.
Advent lässt in uns die Zuversicht wachsen, dass wir nicht im Schrank verstauben, sondern immer offen bei Gott "auf dem Schreibtisch" liegen.
Donnerstag, 17. Dezember 2015
erkannt werden
Ständig haben wir sie in der Hand, in den verschiedenen Formen, Farben und Größen. Sie sind aktuell nicht aus unserem Alltag wegzudenken. Wir sichern unsere Daten damit und gehen davon aus, dass jeder PC sie lesen kann - die USB-Sticks. Das besondere an ihnen ist das USB-Prinzip - ein standardisierter Anschluss der an den verschiedensten Geräten installiert ist. Jeder ist es gewohnt diese Geräte anzuschließen und der PC erkennt sie, als das was sie sind und kann mit ihnen entsprechend umgehen.
Das ist ein gutes Bild für die individuelle Ausrichtung auf Gott.
Jeder Mensch ist dazu bestimmt in Beziehung mit Gott zu leben. Dazu ist er so beschaffen, dass ihm die Ewigkeit ins Herz gelegt wurde. Wenn der Mensch sich selbst ausrichtet, also anschließt an den USB-Port, wird er erkannt als das, was er ist - so wie das angeschlossene Gerät. In der Kommunikation zwischen USB-Gerät und PC sendet das Gerät eine Information darüber an den PC, wieviel Strom er zu dem Betrieb benötigt und wie er entsprechend angesteuert werden will, damit es arbeiten kann. In der individuellen Ausrichtung auf Gott merken wir nach dem "Anschluss", dass Gott uns versteht und dass er so mit uns kommuniziert, wie wir es persönlich verstehen können. Wir bekommen die Energie, die wir benötigen und treten in einen ständigen Austausch. Die Formen dazu sind vielfältig und jeder hat seine eigenen Akzentuierungen. Gott wird unterschiedlich erfahren im Gebet, im Lobpreis, in der Theologie, im Alltag, im Musizieren und anderen künstlerischen Ausrucksweisen.
Wir werden in der Ausrichtung auf ihn so behandelt, wie wir es brauchen und verstehen können. Dadurch werden wir so gestärkt, dass wir in unserer Sprache unserer Beziehung zu ihm Ausruck verleihen können - und Gott versteht es.
Der USB-Stick lehrt uns im Advent, dass Gott uns mit allen Facetten erkennt.
Mittwoch, 16. Dezember 2015
Aerodynamik
Als ich noch ein Kind war, habe ich es geliebt, wenn mir mein Vater einen Papierflieger gebastelt hat. Ich suchte dann immer den größten Raum im Haus auf, um ihn fliegen zu sehen. Besonders spannend war es, sie aus der zweiten Etage zum Fenster hinauszubefördern. Unbedingt wollte ich sehen, wie weit und wie lang er fliegen kann. Mein Vater konnte einen Flieger bauen, der einen Looping machen konnte und danach seine Kreisen zog. Den habe ich besonders gerne im Garten getestet. Wenn ich daran zurückdenke, muss ich darüber schmunzeln, weil es damals einfach die Welt war.
Der Unterschied zwischen einem Papierflieger und einem normalen Blatt Papier ist die gewonnene Aerodynamik, die Stabilität, sowie die Gewichtsverteilung. Die Stabilität sorgt dafür, dass das Blatt seine Form behält, die Aerodynamik sorgt für entsprechende Flugmöglichkeiten und die Gewichtung in der Spitze sorgt für ein besseres Zielvermögen.
Das ist ein gutes Bild für den Christen. Wäre der Christ alleine und würde in seinem eigenen Denken und Glauben nie "gefaltet" und korrigiert werden, durch andere Christen, so wäre er nur ein normales Blatt Papier. Ein Blatt Papier, ohne Stabilität, ohne besondere Eigenschaften. Er kann dabei mit allerlei Schrift und Zeichnungen gefüllt sein, es würde aber kein Nutzen haben. Erst die Auseinandersetzung mit anderen Christen sorgt dafür, dass Form in die Sache kommt. Jeder Knick und Riss ist wichtig um Aerodynamik, Gewichtsverteilung und Stabilität zu erzeugen. Im Bezug auf den Christen bedeutet dies, dass das eigene Denken seine Prioritäten und Gewichtungen bekommen muss. Dies ist nur in der Gemeinschaft mit anderen Christen und deren Gedanken möglich. Das ist quasi ein Ringen um die richtige Form - das ehrliche, gemeinsame Christsein. Dabei wird jeder Christ sein eigener Papierflieger mit eigenen Formen und Gedanken. Das liegt daran, dass jeder Christ mit anderen Menschen zu tun hat und entsprechend anders in der Umwelt als Christ leben muss. Mancher muss weit fliegen, mancher Kreise ziehen, mancher einen Looping machen - aber jeder muss fliegen.
Die Abhängigkeit des Christen von anderen Christen in Form des "Faltens", kann ich nur mit Bonhoeffers Worten beschreiben:
"Der Christus im Bruder ist stärker als der Christus in mir!"
Advent bedeutet in der Selbstausrichtung auf Gott zu erkennen, dass es einfacher ist, sich in Gemeinschaft mit anderen Christen auf Gott auszurichten. In dieser Erkenntnis der Einfachheit erkennen wir, dass der Christus im Bruder stärker an uns arbeitet, als der Christus in uns. Aufgrund des Wirkens durch den Bruder erfahren wir Halt. Wir erkennen, dass Gott an uns arbeitet. Er "knickt" uns durch unseren Bruder, um eine stabile und erwünschte Form in unser Christ-sein zu bringen. Umgekehrt macht er das auch durch uns an unserem Bruder - doch das können und brauchen wir nicht erzwingen.
Gott ist es, der uns in dieser Welt zu einem "Papierflieger faltet" und uns "fliegen lässt".
Dienstag, 15. Dezember 2015
Notizen
Seit vielen Jahren besitze ich ein Buch, das nur eine Hand voll Leute in der Hand hielten. Es ist ein schlichtes Notizbuch, ohne Linien, Zeichen oder Bilder - nur leere Seiten. Jedes Mal, wenn ich ein gutes Zitat gefunden habe, welches mich zum Nach- und Umdenken bewegt schreibe ich es hinein. Aus guten Büchern schreibe ich Kernaussagen hinein, die mich später wieder beschäftigen sollen. Ich mag es, ab und an in diesem Buch zu blättern und die Zitate zu lesen. Das zeigt mir, wie ich einmal gedacht habe und wie ich dadurch umgedacht habe. Da viele der Zitate mit Erinnerungen verknüpft sind, macht das Lesen die Sache spannender. Diese fortlaufende Sammlung an Zitaten ist ein Ausdruck meiner Denkstruktur. Das Merken von Schlüsselbegriffen, Zitaten und Tendenzen hilft mir Gedankenstruktur zu interpolieren. Wie eine andere Person genau gedacht hat, kann ich mir nicht merken, aber welche Grundstruktur und in welche Richtung sie gedacht hat, das kann ich mir länger merken. Aus diesen Zitaten kann ich dann die Struktur selber nachdenken und meine eigenen Gedanken erweitern.
So ein Notizbuch ist eine gute Methode, um die Selbstausrichtung auf Gott in den Alltag zu übernehmen. Sprüche, Zitate, Bibelverse, Tabellen, Zusammenfassungen, Notizen, Argumente, Thesen und Antithesen - die Palette der möglichen Inhalte ist enorm. Wichtig ist aber, dass wir eine, für uns selber nachvollziehbare, Methode wählen, um unserer Selbstausrichtung auf Gott eine Hilfestellung zu geben.
Advent, als die Vorbereitung auf die Ankunft Jesu - damals, bald und heute - in der individuellen Selbstausrichtung auf Gott, ist eine ganz alltägliche Sache. Weil es aber eine beständige, alltägliche Sache ist, können wir uns solcher Methoden als Hilfestellung bedienen. Aus diesem Schatz können wir über die Jahre immer wieder Wertvolles fördern und hineinschreiben. Es verliert nicht an Wert. Im Gegenteil, der Wert steigt. Diese Form, der verschriftlicht gewordenen, persönlichen Erkenntnisse, ist aber nicht für uns alleine gedacht. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der kollektiven Ausrichtung auf Gott. Es ist das Bewusstsein darum, dass man als nicht als "fertiger" Christ in der Nachfolge steht. Stattdessen steht man.als "Jünger", oder besser übersetzt (um frommer Überfrachtung des Begriffes vorzubeugen), als "Schüler" unter "Schülern" oder "Student" unter "Studenten", gemeinsam in der Ausrichtung auf Gott.
Montag, 14. Dezember 2015
trocken werden
Heute habe ich einen Anruf von einer guten Freundin bekommen, über den ich mich sehr gefreut habe. Es war in dem Moment eine wunderbare Abwechslung zum Alltag. M.S. ist eine der wenigen, aber guten Freunde, die mir von Früher geblieben ist. Ich schätze ihre Freundschaft sehr.
Das möchte ich euch an einem Handtuch erklären.
Freundschaft ist wie ein großes Badehandtuch. Man gebraucht das Handtuch meist nach dem Baden oder Duschen, um sich abzutrocknen. Ebenso ist auch ein existentieller Teil von Freundschaft. Freundschaft ist im gegenseitigen Austausch auch dazu da, um gegenseitig Psychohygiene zu betreiben. Man wird wahrgenommen und nimmt den Anderen wahr in dem, was einem im Inneren bewegt und belastet. Das ist wie der erste Moment nach dem Duschen, in dem man das warme Handtuch ins Gesicht drückt und beginnt sich abzutrocknen. Ebenso wird man abgelenkt vom Alltag. Man beschäftigt sich nicht mehr mit den Dingen, die einen belasten - das gesamte Abtrocknen. Weiterhin bekommt man in dieser Freundschaft neue Kraft den Alltag zu meistern - das ist wie das "Frische-Gefühl" nach dem Duschen.
Doch eines hat mein Badehandtuch noch: ein Bändchen zum aufzuhängen.
So wie das Handtuch also dazu bestimmt ist, an etwas zu hängen, so ist auch der Mensch in seinen Freundschaften bestimmt an jemanden zu hängen. Emotional hängt man klar an der Person, mit der man befreundet ist. Doch diese Art wäre im Bezug auf das Bändchen ein Missverständnis, da das Bändchen während des Abtrocknens nicht benötigt wird.
Das Bändchen ist ein Hinweis darauf, dass auch eine Freundschaft die Ausrichtung auf Gott benötigt. Damit wird der gegenseitigen Überforderung vorgebeugt und garantiert, dass die Freundschaft auch das bewirken kann, wozu sie da ist. Würde das Handtuch nicht trocknen dürfen, weil es auf dem Boden in der Ecke liegt, würde es irgendwann modrig riechen und ebenso seltener bis gar nicht mehr gebraucht werden. Hängt man das Handtuch also auf, kann es trocknen und wiederverwendet werden. Mit der Freundschaft macht der Gottesbezug etwas ähnliches. Durch die gemeinsame Ausrichtung auf Gott, bewahrt man sich gegenseitig vor der Überforderung und schafft Gelassenheit. Man lernt aufzuhören, zu viel zu wollen und lässt die Freundschaft wachsen.
Im Advent dürfen wir lernen, dass Freundschaft den Gottesbezug brauch. In der gemeinsamen, freundschaftlichen Ausrichtung auf Gott nehmen wir uns gegenseitig in unserer Begrenztheit wahr, stärken einander und dürfen alles - das Gute, das Schlechte, das Belastende, das Begeisternde - in Gottes Hand abgebenen. Wir brauchen nicht alles tragen, sondern erfahren in dieser gemeinsamen Ausrichtung auf Gott das Getragenwerden von Gott.
Sonntag, 13. Dezember 2015
In der Küche
Wir alle haben es irgendwo in der Küche stehen. Wenn es fehlt suchen wir es, weil wir es brauchen und geben nicht Ruhe, bis wir es gefunden haben. Oft ist es aus Holz, hat viele Kratzer und ist vielleicht schon seit ein paar Jahren in Benutzung. Wir bereiten damit unser Essen zu, schneiden darauf Obst, Gemüse und Stollen, essen Pizza davon und backen damit Plätzchen - das Küchenbrett.
An sich hat das Küchenbrett kein Sinn und Zweck. Wäre dem so, so wären alle Küchenbretter komplett unversehrt. Keine Kratzer, keine Verfärbungen, keine Brüche, keine Minisplitter - keine Charakteristika. Nur saubere, heile, verstaubende Bretter. Ihren Sinn entfalten sie erst in Relation zu uns. Erst wenn wir sie gebrauchen erfüllen sie ihren Zweck. In dieser Zweckerfüllung bekommen sie Kratzer, Dreck, Verfärbungen und eben jenen Charme, den sie haben. Über die Jahre hinweg kann man sogar beobachten, wie sie durch die Benutzung einen dunkleren Gesamtfarbton bekommen.
In der individuellen Selbstausrichtung auf Gott lernen wir, dass der Christ wie so ein Küchenbrett ist. An sich erfüllt er keinen Zweck. Das liegt daran, dass ein Christ nicht dazu geschaffen ist, für sich selber zu existieren und alleine nicht existieren kann. Er würde "in der Ecke" verstauben und alleine vor sich hin vegetieren. Die Beziehungen, zu denen er geschaffen wurde, würden in keiner Form gepflegt werden. Er würde nicht das tun, wofür er da ist. Doch wofür ist er da? Einfach ausgedrückt - um die Beziehungen zu pflegen in doppelter Ausrichtung: Vertikal und Horizontal. Mit "Vertikal" ist die Beziehung zu Gott gemeint und mit "Horizontal" die Beziehungen zu sowohl den Christen in der eigenen Umgebung, als auch zu den nicht-Christen in der eigenen Umgebung.
In der Auseinandersetzung und Gemeinschaftspflege bleibt man nicht unverändert. Es geschehen positive und negative Dinge durch diese Beziehungspflege. Diese werden immer wieder sichtbar bleibende Erinnerungen und Charakteristika hinterlassen - wie die Furchen auf dem Brett, die während der Zubereitung entstehen. Manches hinterlässt tiefe Spuren. Die Gesamtheit der Ereignisse formen den Menschen und geben ihm seine individuellen Charakteristika.
In der individuellen Selbstausrichtung auf Gott, die im Advent geschieht, entdecken wir, dass wir uns nicht alleine auf Gott ausrichten können. Wir entdecken, dass wir uns mit anderen zusammen auf Gott ausrichten müssen. In der daraus resultierenden, kollektiven Ausrichtung auf Gott entdecken wir, dass wir in dieser Ausrichtung nicht nur Andere mit hineinnehmen sollen. Wir entdecken unsere Verantwortung ihnen gegenüber, die Ausdruck unserer Selbstausrichtung auf Gott sein soll.
Samstag, 12. Dezember 2015
Feinjustierung
Muttern, Schrauben, Schlüssel es gibt sie in vielen Formen und Variationen. Ohne sie wäre eine Feinjustierung nicht möglich. Wie wichtig Feinjustierungen sind, kann jeder nachvollziehen, der irgendwie mal etwas einstellen musste. Sei es eine Violine, eine Gitarre, ein Cajon und und und. Aber Schrauben und Muttern geben auch Halt. Sie halten Schränke zusammen, fixieren Dinge, wie zum Beispiel ein Stativ für ein Mikrofon oder Notenständer. Schrauben und Muttern sind schlicht aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Die Feinjustierungen, die durch sie möglich sind, sind essentiell um vieles zu ermöglichen. Zum Beispiel wie im Bild für einen stabilen Stand einer Conga zu sorgen oder das Fell unter einer entsprechenden Spannung zu halten und damit diese zu stimmen.
Eine Freundin von mir erzählte mir vor ein paar Tagen, dass sie Glaubenszweifel habe. Bei vielen Christen schwingt dabei ein frommer Selbstvorwurf mit, dass man nicht mehr glauben würde oder, dass man komplett falsch glauben würde. Doch das ist weit gefehlt. Glaube kann nicht ohne Zweifel. Zweifel kann man als eine Schraube definieren, die nicht richtig sitzt. Entweder ist sie zu fest, oder zu locker. In der Selbstausrichtung auf Gott sucht man nach einem passenden Schlüssel, um eine Feinjustierung vorzunehmen. Was in dieser Selbstausrichtung auf Gott geschieht, ist eine Selbsthinterfragung. Es ist die Frage, was man selbst falsch verstanden hat. Wo sieht man etwas zu eng oder zu locker, wo hat man etwas komplett falsch verstanden,... In der Schlüsselsuche und der darauf folgenden Feinjustierung hinterfragt man also seinen Glauben, so wie man ihn bisher verstanden hat. Die gute Nachricht ist, man darf falsch liegen und dankbar sein, dass man es erkennt. Es ist das Danke, welches sagt: "Du allein bist Gott und ich bin es nicht." Man kann nicht alles wissen und brauch nicht alles wissen. Es ist das geschöpfliche Danke, welches sagt, dass man selber nicht Gott ist. Und genau darin richtet man sich auf Gott aus - darin geschieht die Feinjustierung. Die Schraube wird in diesem "Danke" in die richtige Richtung gedreht. Was zu fest war, wird lockerer, was zu locker war, wird fixiert.
Das großartige daran ist die Freiheit, die darin versteckt ist. Ich geh, als geschöpfliches Gegenüber zu Gott, davon aus, dass ich nicht Gott bin und auch nicht sein brauch. Das gesamte Leben ist ein Glaubenszweifel. Der Zweifel an dem, wie ich glaube. Glaube funktioniert nur ehrlich vor sich selber und damit ehrlich vor Gott und umgekehrt. Daraus resultiert der ehrliche und authentische Glaube vor den Menschen in meiner Umgebung. Das gesamte Leben, in der Selbstausrichtung auf Gott, ist ein beständiges Feinjustieren - diese Feinjustierung ist eine Form von Lobpreis, die nicht so leicht zu erkennen ist.
Advent bedeutet in der individuellen und kollektiven Selbstausrichtung auf Gott, sich dieser beständigen Feinjustierung neu bewusst zu werden.
In dieser Feinjustierung bedeutet Advent Lobpreis.
Freitag, 11. Dezember 2015
Nummern Zahlen Ziffern
Nummern, Zahlen, Ziffern - ich finde sie überall in meinem Alltag. Auf meinen Büchern, Filmen, Steckern, Tassen, Stiften, elektrischen Geräten, meinem Personalausweis, auf Arbeit, im Studium, bei der Krankenkasse und so weiter. Die Liste könnte ich endlos weiterführen. Eines haben sie gemeinsam - in dem Kontext in dem sie verortet werden, haben sie eine klare Bedeutung. Nicht jeder kann unmittelbar diese Bedeutung entschlüsseln, aber für bestimmte Leute und Geräte haben diese einen genauen Wert. Es werden mit der Nummer in diesem System eine oder mehrere Informationen verknüpft. Das können zum Beispiel Informationen über Herkunft, Produktionsstandort, Geburtsort, Fabrikationsnummer, Verwaltungsbezirke und ähnliche sein. Doch völlig Kontextfrei haben sie scheinbar keine Bedeutung, da sie nicht verstanden werden. In Bezug auf mich, mit all den Nummern, welche mir zugewiesen wurden, wie zum Beispiel der Krankenkasse, dem Finanzamt, der Bank, der Personalnummer etc., werde ich für die andere Seite, die mit dieser Nummer etwas anfangen möchte, komplett anonymisiert. Entsprechend distanziert werde ich auch behandelt - mal mehr oder weniger professionell.
In was für einen intensiven Gegensatz steht da die Zuwendung Gottes?
Jes 43,1
Verstehen wir die Stelle nicht falsch - das "Du" ist hier kein individuelles, sondern ein kollektives. Erst im zweiten Schritt wird es individuell und im dritten explizit christlich. Zuallererst ist dieses "Du" kollektiv gemeint. Damit ist das Volk Israel gemeint - wer genauer hinschaut merkt den Unterschied zwischen Jakob und Israel - Israel ist sogar ein Ehrentitel und beschreibt das Volk, dass sich Gott zugewendet hat. Durch die Worte "geschaffen" und "gebildet" wird ausgedrückt, dass Gott jede einzelne Person des Volkes durch und durch schon längst kennt. Im dritten Schritt wird das "du" zu einem christlichen "du". Ein "du", mit dem ich persönlich gemeint bin und identifiziert werde. In der Zuwendung zu Gott und seiner Zuwendung zu mir, bin ich Teil des Gottesvolkes. Statt einfach alleine angesprochen zu werden, werde ich in eine Gemeinschaft gestellt. Daraus resultiert ein "du", in dem ich kollektiv und individuell angesprochen werde.
Advent bedeutet sich bewusst zu machen, dass ich in Christus nicht lediglich eine Nummer bin.
In Christus bin ich Teil einer Gemeinschaft und jemand, der in dieser Gemeinschaft mit Gott per du ist.
Donnerstag, 10. Dezember 2015
Strohsterne
Verknüpft
In der Adventszeit war eines so sicher, wie das Plätzchen backen: Strohsterne basteln. Strohsterne sind eine feine Sache. Während sie gebastelt werden lauscht man weihnachtlicher Musik, schult seine Feinmotorik und kommt nebenher noch ins Gespräch. Wenn sie einmal fertig sind, zieren sie in vielen Variationen den Weihnachtsbaum, Fenster und andere Orte, an denen sie dekorativ zur Geltung kommen können. Als vorweihnachtliches Geschenk machen sie auch einiges her, da Zeit und Liebe investiert wurden. Daher sind sie für mich ein wichtiger Bestandteil meines ästhetischen Weihnachtsempfindens geworden.
Wenn ich einen Strohstern von ganz nahe betrachte, dann scheint es so, als ob es ein unübersichtliches System sei. Doch dem ist nicht so. Es ist ein logisches Geflecht, welches ein Muster durch Wiederholungen ergibt und durch einen Faden zusammengehalten wird. Das Muster bildet sich um ein Zentrum.
Nehmen wir den Strohstern als Bild für die kollektive Ausrichtung auf Gott. Jeder einzelne Strohhalm sei eine Person, die sich auf Gott ausrichtet. Doch richten sich die Personen nicht alle alleine aus, sondern zusammen. Gemeinsam bilden sie eine Gemeinschaft, die durch den Heiligen Geist zusammengeführt und zusammengehalten wird. Nicht jeder Strohhalm hat mit jedem zu tun, dennoch sind sie alle miteinander verbunden - die Gemeinde. Aus der Sicht eines jeden Strohhalms scheint alles unübersichtlich, da keine die Perspektive von Außen hat, dennoch weiß jeder Strohhalm, dass er sich und die Strohhalme um ihn herum auf das Zentrum ausrichtet. Das Zentrum, um das sich alle ausrichten ist Gott, wie er in Jesus Christus Mensch geworden ist.
Wenn Advent demnach die individuelle und damit ebenso die kollektiv-verwobene Ausrichtung auf Gott ist, so wie er sich uns in Christus gezeigt hat, dann sollten wir uns als Christen immer wieder unterhalten. Unterhalten sollten wir uns darüber, wie wir Gott erlebt und kennen gelernt haben. Gerade weil wir niemals ein vollständiges Bild von Gott haben können, dürfen wir von dem, wie er uns begegnet, gegenseitig erzählen und dafür Gott die Ehre geben und ihn Loben. Umgekehrt bedeutet es aber auch, dass wir in gegenseitiger Verantwortung als Christen füreinander einstehen sollen.
Mittwoch, 9. Dezember 2015
alter Rahmen
Heute habe ich einen alten Bilderrahmen in meiner Schublade gefunden. Ein wenig abgeblätterte Farbe, kleine Splitter und sehr viel Staub zierten ihn. Weder kräftiges Pusten noch ein Tuch halfen diesen spontan zu reinigen. Den alten Glanz wieder herzustellen dauert wohl etwas. Doch an seiner eigentlichen Bestimmung ändert sich nichts.
Wie diesen Bilderrahmen pflegen wir leider auch immer wieder unsere Beziehung mit Gott.
Auf der einen Seite sind wir bestimmt in eine Beziehung mit Gott und damit in einen sinnstiftenden Lebenszusammenhang hineinversetzt.
Auf der anderen Seite zieht es uns scheinbar immer wieder von Gott weg. Oft meinen wir, andere Dinge seien wichtiger - aber das ist ein Irrtum. Falsch wäre es zu behaupten, die anderen Dinge hätten keine Wichtigkeit. Dennoch, wenn wir unsere alltäglichen Dinge nicht aus der Gottesbeziehung heraus tun, läuft etwas falsch. Dann haben wir quasi den Rahmen - also den sinnstiftenden Lebenszusammenhang - in die Schublade gelegt. Dort kann er dann getrost verstauben, so dass wir ihn ab und an zu Besonderheiten mal herausholen können um zu zeigen, wie toll doch unser Rahmen sei.
Advent bedeutet, sich seines Lebensrahmens erneut bewusst zu werden. Das bedeutet, sich bewusst zu machen, in wessen Rahmen mein Leben eigentlich beständig steht. Es ist die Neuentdeckung des alten Rahmens, der schon viele Generationen bewegt hat. Das Bewusstsein darum, dass da Gott ist. Aber nicht irgendein fremder Gott, sondern ein Gott, der mir persönlich begegnen will - jeden Tag, sogar in den kleinsten, alltäglichen Dingen. Es bedeutet aber auch in dieser Beziehung den Mut zu finden, die Schublade nicht mehr nötig zu haben.
Dienstag, 8. Dezember 2015
Tradition
Ich erinnere mich gerne an die Adventszeit bei und mit meinen Eltern zurück. Zu Hause hatten wir immer eine Tradition. Jeden Abend trafen wir uns in der Wohnstube um bei Kerzenschein miteinander Lieder zu singen und einer Geschichte zu lauschen. Umgeben von vielen Kerzen, Räucherkerzen und einer Kerzenpyramide sangen wir viele Lieder. Über die Jahre hinweg lernten meine Geschwister und Ich diverse Instrumente zu beherrschen. So wurde aus dem anfänglichen Singen zur Gitarre ein gemeinsames musizieren mit Keyboard, Flöte und Horn. Jedes Jahr gab es eine neue, fortlaufende, Geschichte zu ergründen. Das geniale an den Geschichten war, dass sie stetig eine Vergegenwärtigung hatten in Form eines Fensterpuzzels, einer dreidimensionellen Figur zum Aufstellen, eines Bildes und und und ... Mit Spannung lauschte ich diesen Geschichten und war enttäuscht, wenn es mal zeitlich nicht passte.
Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass es ihnen so wichtig war, eine gemeinsame Tradition zu finden und diese auch zu leben. Das ist mir ein großer Schatz geworden.
Advent ist mehr als nur die individuelle Vorbereitung und auch mehr als nur die individuelle Vorbereitung in der Gemeinschaft. Es ist eine gemeinsame Vorbereitung und Ausrichtung auf Gott. Dabei werden Formen gesucht und gefunden, die alle Beteiligten verstehen und verstehen lernen. Wenn sie dann verstanden werden, kann man sie leben.
Advent als Ausrichtung auf Gott hin, wird dabei in zweierlei Richtungen eine Lebenseinstellung.
Das Warten auf Gott bis er kommt - in der individuellen und kollektiven Ausrichtung auf Gott.
Das Feiern seiner Gegenwart schon jetzt, weil er unter uns gegenwärtig ist.
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