Montag, 7. Dezember 2015

konstruktiv

gemeinsames Denken

Es war für mich immer ein Geschenk mit Ben B. zu diskutieren. Doch warum ist das so? Wenn ich die vielen Gespräche, Diskussionen und Dispute betrachte, dann haben viele eines gemeinsam: Abgrenzung und Demontierung. Abgrenzung von anderen Gedanken und Gedankengebäuden. Das Auseinandernehmen und Demontieren anderer Gedankengebäude. Die Themen, in denen das besonders auffällig war, waren aus den Bereichen der Theologie, Philosophie, sowie deren Randgebiete. Um anfänglich verschiedene Gedanken einzuordnen, die mir begegnen, ist eine Gegenüberstellung natürlich hilfreich, ebenso wie deren gegenseitige Abgrenzung. Doch je nach Sichtwinkel war das Grundprinzip immer klar - das eigene Denken sei korrekt und das richtige, sowie nötige Mittel um das andere zu demontieren. Das war immer eine destruktive Vorgehensweise.
Mit Ben B. war das anders. Wenn wir miteinander einen Gedanken verfolgten, dann versuchten wir ein gemeinsames Gedankengebäude zu errichten. Es war eine Art gemeinsames Ringen um Wahrheit. Wir fragten uns stetig, wie es sich verhält, wägten gemeinsam ab. Vorsichtig ausgedrückt würde ich das mit dem Begriff "konstruktive Theologie" umschreiben. Es ging dabei nicht darum, wer  recht habe. Uns war stetig bewusst, dass unser Erkenntnisvermögen, sowie Wissensstand nur Momentan und fragmentarisch ist. Doch das Anliegen gemeinsam über Gott nachzudenken und sich gemeinsam zu fordern und zu fördern war grundlegend für unser Denken. 
Nachdenken über Gott. Der Versuch zu verstehen, wie er die Dinge gemeint haben kann. In einer ernsthaften Art und Weise, die nicht sofort alles versucht zu verurteilen oder zu demontieren. Oft war das Ergebnis ein Staunen -  "Wow, so ist Gott ... und noch viel mehr."
Sich im Advent auf Gott vorzubereiten bedeutet also auch zu staunen. Ein Staunen über Gott, so wie er ist, nicht wie wir ihn gerne hätten. Ein staunen, das auf die Knie in die Anbetung führt und einfach "Wow" und "Danke" sagt.

1 Kommentar:

  1. Dazu passt sehr gut ein Zitat von Prof. Klaus Peter Hertzsch, bei dem ich studiert habe: „Christ sein heißt nicht: einen guten Standpunkt gefunden zu haben, sondern einen guten Weg. Deshalb ist auch in der Bibel kaum je von Sitzungen die Rede, wohl aber allenthalben von Wanderungen.“ (Prof. K.P. Herztsch)
    Gruß vom alten Dorfpfarrer

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