Mittwoch, 16. Dezember 2015

Aerodynamik

Als ich noch ein Kind war, habe ich es geliebt, wenn mir mein Vater einen Papierflieger gebastelt hat. Ich suchte dann immer den größten Raum im Haus auf, um ihn fliegen zu sehen. Besonders spannend war es, sie aus der zweiten Etage zum Fenster hinauszubefördern. Unbedingt wollte ich sehen, wie weit und wie lang er fliegen kann. Mein Vater konnte einen Flieger bauen, der einen Looping machen konnte und danach seine Kreisen zog. Den habe ich besonders gerne im Garten getestet. Wenn ich daran zurückdenke, muss ich darüber schmunzeln, weil es damals einfach die Welt war.
Der Unterschied zwischen einem Papierflieger und einem normalen Blatt Papier ist die gewonnene Aerodynamik, die Stabilität, sowie die Gewichtsverteilung. Die Stabilität sorgt dafür, dass das Blatt seine Form behält, die Aerodynamik sorgt für entsprechende Flugmöglichkeiten und die Gewichtung in der Spitze sorgt für ein besseres Zielvermögen. 
Das ist ein gutes Bild für den Christen. Wäre der Christ alleine und würde in seinem eigenen Denken und Glauben nie "gefaltet" und korrigiert werden, durch andere Christen, so wäre er nur ein normales Blatt Papier. Ein Blatt Papier, ohne Stabilität, ohne besondere Eigenschaften. Er kann dabei mit allerlei Schrift und Zeichnungen gefüllt sein, es würde aber kein Nutzen haben. Erst die Auseinandersetzung mit anderen Christen sorgt dafür, dass Form in die Sache kommt. Jeder Knick und Riss ist wichtig um Aerodynamik, Gewichtsverteilung und Stabilität zu erzeugen. Im Bezug auf den Christen bedeutet dies, dass das eigene Denken seine Prioritäten und Gewichtungen bekommen muss. Dies ist nur in der Gemeinschaft mit anderen Christen und deren Gedanken möglich. Das ist quasi ein Ringen um die richtige Form - das ehrliche, gemeinsame Christsein. Dabei wird jeder Christ sein eigener Papierflieger mit eigenen Formen und Gedanken. Das liegt daran, dass jeder Christ mit anderen Menschen zu tun hat und entsprechend anders in der Umwelt als Christ leben muss. Mancher muss weit fliegen, mancher Kreise ziehen, mancher einen Looping machen - aber jeder muss fliegen. 
Die Abhängigkeit des Christen von anderen Christen in Form des "Faltens", kann ich nur mit Bonhoeffers Worten beschreiben: 
"Der Christus im Bruder ist stärker als der Christus in mir!"
Advent bedeutet in der Selbstausrichtung auf Gott zu erkennen, dass es einfacher ist, sich in Gemeinschaft mit anderen Christen auf Gott auszurichten. In dieser Erkenntnis der Einfachheit erkennen wir, dass der Christus im Bruder stärker an uns arbeitet, als der Christus in uns. Aufgrund des Wirkens durch den Bruder erfahren wir Halt. Wir erkennen, dass Gott an uns arbeitet. Er "knickt" uns durch unseren Bruder, um eine stabile und erwünschte Form in unser Christ-sein zu bringen. Umgekehrt macht er das auch durch uns an unserem Bruder - doch das können und brauchen wir nicht erzwingen. 
Gott ist es, der uns in dieser Welt zu einem "Papierflieger faltet" und uns "fliegen lässt".

1 Kommentar:

  1. Bevor ich neugierig auf den Blogeintrag heute Morgen war fiel mir ein Gesangbuchlied ein, dass ich sofort umschrieb: "All Morgen ist ganz frisch und neu der Blogeintrag, auf den´ch mich freu. Ich kommentier ihn frisch und froh und hoff, dem Blogger geht's ebenso..."
    Aber das hat mich heut morgen überrascht...
    Ja, ja, wie oft falten uns die anderen so sehr, dass wir mit "dem Gesicht zur Tüte gefaltet" durch die Gegend rennen.
    Als ich noch jünger war, hörte ich gerne die christlichen Barden "Arno und Andreas". Von ihnen stammt ein Lied zum Thema. (Lohnt sich mal zu googeln und anzuhören):
    Schlag nicht zurück, lauf nicht davon, wenn man dich ernsthaft kritisiert.
    Es könnte sein, daß man es tut, damit man dich nicht ganz verliert.
    Frag nach dem Grund, warum dir einer seine Meinung sagen will
    und ist es Liebe, dann hör zu und halte still.
    In dem Sinne: Guten Flug durch den Tag!
    Der Dorfparrer

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