Mittwoch, 9. Dezember 2015

alter Rahmen


Heute habe ich einen alten Bilderrahmen in meiner Schublade gefunden. Ein wenig abgeblätterte Farbe, kleine Splitter und sehr viel Staub zierten ihn. Weder kräftiges Pusten noch ein Tuch halfen diesen spontan zu reinigen. Den alten Glanz wieder herzustellen dauert wohl etwas. Doch an seiner eigentlichen Bestimmung ändert sich nichts.
Wie diesen Bilderrahmen pflegen wir leider auch immer wieder unsere Beziehung mit Gott. 
Auf der einen Seite sind wir bestimmt in eine Beziehung mit Gott und damit in einen sinnstiftenden Lebenszusammenhang hineinversetzt. 
Auf der anderen Seite zieht es uns scheinbar immer wieder von Gott weg. Oft meinen wir, andere Dinge seien wichtiger - aber das ist ein Irrtum. Falsch wäre es zu behaupten, die anderen Dinge hätten keine Wichtigkeit. Dennoch, wenn wir unsere alltäglichen Dinge nicht aus der Gottesbeziehung heraus tun, läuft etwas falsch. Dann haben wir quasi den Rahmen - also den sinnstiftenden Lebenszusammenhang - in die Schublade gelegt. Dort kann er dann getrost verstauben, so dass wir ihn ab und an zu Besonderheiten mal herausholen können um zu zeigen, wie toll doch unser Rahmen sei.
Advent bedeutet, sich seines Lebensrahmens erneut bewusst zu werden. Das bedeutet, sich bewusst zu machen, in wessen Rahmen mein Leben eigentlich beständig steht. Es ist die Neuentdeckung des alten Rahmens, der schon viele Generationen bewegt hat. Das Bewusstsein darum, dass da Gott ist. Aber nicht irgendein fremder Gott, sondern ein Gott, der mir persönlich begegnen will - jeden Tag, sogar in den kleinsten, alltäglichen Dingen. Es bedeutet aber auch in dieser Beziehung den Mut zu finden, die Schublade nicht mehr nötig zu haben.

1 Kommentar:

  1. Gefällt mir wieder mal sehr gut. Bei mir gehen die Gedanken dann noch mal in zwei Richtungen spazieren:
    Manchmal fallen wir aus dem Rahmen! Das kann man in verschiedene Richtungen denken: Aus dem Rahmen Gottes. Er setzt uns einen Rahmen... weil ER uns nach seinem Bild erschaffen hat. Schöne Bilder haben passende Rahmen. Welcher Rahmen ist unserer als Mensch, als Ebenbild????? Viele Leute haben irgendwie selbstgemachte oder gar keine Rahmen für ihr Leben. Darum fallen wir für sie aus dem Rahmen - obwohl sie selber aus dem Rahmen gefallen sind. Denn sie wollen Gottes Gebote nicht als "Rahmenbedingungen" akzeptieren. Wenn es ihnen jemand vorlebt, dann fallen wir für sie aus dem Rahmen (aus ihrem Rahmen, denn es ist untypisch für viele Menschen, nach Regeln zu fragen) und sie "fallen aus allen Wolken".
    Die Schublade erinnert mich daran, dass ich Menschen oft in eine solche stecke. Andere mich übrigens auch. Bis wir sie kennenlernen in ihrem Rahmen, in dem sie manchmal gezwungenermaßen, leben. Dann passen sie nicht mehr in die Schublade der Vorurteile. Dann hilft nur noch Barmherzigkeit als Rahmen.
    Darüber will der alte Dorfpfarrer mal predigen.

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