Dienstag, 8. Dezember 2015

Tradition


Ich erinnere mich gerne an die Adventszeit bei und mit meinen Eltern zurück. Zu Hause hatten wir immer eine Tradition. Jeden Abend trafen wir uns in der Wohnstube um bei Kerzenschein miteinander Lieder zu singen und einer Geschichte zu lauschen. Umgeben von vielen Kerzen, Räucherkerzen und einer Kerzenpyramide sangen wir viele Lieder. Über die Jahre hinweg lernten meine Geschwister und Ich diverse Instrumente zu beherrschen. So wurde aus dem anfänglichen Singen zur Gitarre ein gemeinsames musizieren mit Keyboard, Flöte und Horn. Jedes Jahr gab es eine neue, fortlaufende, Geschichte zu ergründen. Das geniale an den Geschichten war, dass sie stetig eine Vergegenwärtigung hatten in Form eines Fensterpuzzels, einer dreidimensionellen Figur zum Aufstellen, eines Bildes und und und ... Mit Spannung lauschte ich diesen Geschichten und war enttäuscht, wenn es mal zeitlich nicht passte.
Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass es ihnen so wichtig war, eine gemeinsame Tradition zu finden und diese auch zu leben. Das ist mir ein großer Schatz geworden. 
Advent ist mehr als nur die individuelle Vorbereitung und auch mehr als nur die individuelle Vorbereitung in der Gemeinschaft. Es ist eine gemeinsame Vorbereitung und Ausrichtung auf Gott. Dabei werden Formen gesucht und gefunden, die alle Beteiligten verstehen und verstehen lernen. Wenn sie dann verstanden werden, kann man sie leben. 
Advent als Ausrichtung auf Gott hin, wird dabei in zweierlei Richtungen eine Lebenseinstellung. 
Das Warten auf Gott bis er kommt - in der individuellen und kollektiven Ausrichtung auf Gott. 
Das Feiern seiner Gegenwart schon jetzt, weil er unter uns gegenwärtig ist.

Montag, 7. Dezember 2015

konstruktiv

gemeinsames Denken

Es war für mich immer ein Geschenk mit Ben B. zu diskutieren. Doch warum ist das so? Wenn ich die vielen Gespräche, Diskussionen und Dispute betrachte, dann haben viele eines gemeinsam: Abgrenzung und Demontierung. Abgrenzung von anderen Gedanken und Gedankengebäuden. Das Auseinandernehmen und Demontieren anderer Gedankengebäude. Die Themen, in denen das besonders auffällig war, waren aus den Bereichen der Theologie, Philosophie, sowie deren Randgebiete. Um anfänglich verschiedene Gedanken einzuordnen, die mir begegnen, ist eine Gegenüberstellung natürlich hilfreich, ebenso wie deren gegenseitige Abgrenzung. Doch je nach Sichtwinkel war das Grundprinzip immer klar - das eigene Denken sei korrekt und das richtige, sowie nötige Mittel um das andere zu demontieren. Das war immer eine destruktive Vorgehensweise.
Mit Ben B. war das anders. Wenn wir miteinander einen Gedanken verfolgten, dann versuchten wir ein gemeinsames Gedankengebäude zu errichten. Es war eine Art gemeinsames Ringen um Wahrheit. Wir fragten uns stetig, wie es sich verhält, wägten gemeinsam ab. Vorsichtig ausgedrückt würde ich das mit dem Begriff "konstruktive Theologie" umschreiben. Es ging dabei nicht darum, wer  recht habe. Uns war stetig bewusst, dass unser Erkenntnisvermögen, sowie Wissensstand nur Momentan und fragmentarisch ist. Doch das Anliegen gemeinsam über Gott nachzudenken und sich gemeinsam zu fordern und zu fördern war grundlegend für unser Denken. 
Nachdenken über Gott. Der Versuch zu verstehen, wie er die Dinge gemeint haben kann. In einer ernsthaften Art und Weise, die nicht sofort alles versucht zu verurteilen oder zu demontieren. Oft war das Ergebnis ein Staunen -  "Wow, so ist Gott ... und noch viel mehr."
Sich im Advent auf Gott vorzubereiten bedeutet also auch zu staunen. Ein Staunen über Gott, so wie er ist, nicht wie wir ihn gerne hätten. Ein staunen, das auf die Knie in die Anbetung führt und einfach "Wow" und "Danke" sagt.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Umgekrempelt denken


Mit A.-L. schreibe ich seit ein paar Tagen wieder regelmäßiger. Sie folgt einem ihrer Träume und studiert daher seit ein paar Monaten, mit Leidenschaft, in Australien. Ihre Einstellung in vielen Dingen lehrt mich etwas, das mir sehr schwer fällt - Warten. Aber nicht irgendein Warten. Es ist das Warten darauf, dass Gott handelt. Wenn ich mich dagegen betrachte, dann fällt mir auf, dass ich viel zu schnell in eine Art Aktionismus verfalle. Ich habe die Dinge am liebsten selber in der Hand. Kontrolle ist das Stichwort. Aber was sagt sie stattdessen? "Ich warte gerade darauf, dass Gott etwas tut!"
A.-L. hat mir unbewusst etwas über meinen Lieblingsbibelvers beigebracht:
"Und das Wort wurde Fleisch und wohnte mitten unter uns..."
Schon seit vielen Jahren krempelt dieser Vers mein Denken um und nun passiert es mal wieder. Advent bedeutet Ankunft. Die Ankunft dessen, der bei der Schaffung von Himmel und Erde gegenwärtig war. Advent ist aber auch eine Vorbereitungszeit. Eine Zeit in der man sich auf Gottes Ankunft vorbereitet. In der Rückschau auf Jesu Geburt, in der Vorschau auf seine Wiederkunft und in der Gegenwart auf seine Ankunft in meinem Herzen. Dennoch schleicht sich bei mir immer wieder ein Denkfehler ein - dass ich der Handelnde sei. Vorbereitung ist ein aktives Wort - also sei ich der Akteur. Aber ist das wirklich so? Nein. Egal wie gut oder schlecht ich mich vorbereiten kann - es ändert nichts an Gottes Handeln. Gott, oder wie es der Vers formuliert, das Wort, wurde Mensch. Ein Mensch wie ich es bin. Er ist es, der mir nahe kommt - nicht ich komme ihm nahe. Er ist es, der das notwendige tat, um mich vorzubereiten. Er ist es, der die Gemeinschaft mit ihm bewirkt - nicht ich. 
A.-L. hat mehr vom Advent in ihren Einstellungen, als ihr vielleicht bewusst ist, aber es ist genug, dass ich etwas daraus lernen kann.
Das einzige was ich machen kann ist darauf zu warten, dass er kommt.

Samstag, 5. Dezember 2015

Prioritäten


"Für eine Tasse Tee ist immer Zeit!"

... lautet das Credo meines Freundes G. Jedes Mal, wenn ich ihn besuche, ist das erste was er tut, der Gang in die Küche um Wasser zu kochen. Kurze Zeit später kommt er mit zwei Tassen wohlriechenden Tee zurück. Dies tut er sogar, wenn ich ihn einfach nur anrufe - einfach einen Tee kochen und sich Zeit nehmen. Wenn er dies am Telefon macht, merke ich auch, wie ich plötzlich am Wasserkocher stehe und mir einen Tee zubereite. Recht bald erfüllt ein angenehmer Duft den Raum, ein heißes Getränk wärmt die Hände und ein Schluck wärmt von innen. Und dann? Dann hört er mir einfach zu. Er hört sich an was ich zu sagen habe und beginnt dann seine Sicht der Dinge zu schildern. Ich bin dankbar, G. kennen zu dürfen, vor allem, weil er einer der wenigen Menschen ist, die wissen, wie man sich Zeit für jemanden nehmen sollte.
Mir stellt sich im Advent die Frage im Bezug auf Gott, wie ich mir wirklich Zeit für ihn nehme. "Arbeit und Studium vereinnahmen meine Zeit viel zu intensiv" - so zumindest der leise fromme Selbstvorwurf. Doch G. lehrte mich ein anderes - Gott nimmt sich für mich Zeit. Ich halte Abstand davon Gott in meinen Terminkalender reinpressen zu wollen. Ich passe in seinen Kalender. Und immer wenn ich ihn anrufe - also bete - nimmt er sich auch Zeit für mich, so dass es für mich wie eine Teezeit mit G. ist. Ich darf entspannen, die wichtigen, sowie die akuten Dinge erzählen und Gott hört erst einmal zu. In der Zeit mit Gott darf ich eine Sichtweise erfahren, die mein Leben und Erleben in einem anderen Horizont erscheinen lassen. Ein Horizont, den ich in meinem auf-mich-selbst-geworfen-sein so nicht erfahren könnte.

Für eine Tasse Tee mit Gott ist immer Zeit.

Freitag, 4. Dezember 2015

Vertrauen

Es ist nun ungefähr 6 bis 7 Jahre her, dass mein Freund Ben B. sich mit mir über ein sehr interessantes Zitat austauschten: 
Allein wegen dieser Diskussion war ich innerlich dazu gedrängt, diesem Buch einen Platz in meinem Regal zu widmen. Noch heute denke ich mit Freude an die vielen Diskussionen zurück, die wir miteinander teilten. Mein Bücherregal ist also mehr als eine Ansammlung von Büchern. Es ist eine Ansammlung von Erinnerungen an Zeiten, in denen ich diese Bücher gekauft, gelesen und mit ihnen gearbeitet habe.
 
Der Autor, W. Härle, beschreibt Glauben in diesem Kapitel als Vertrauen. (Für M. Luther waren diese Begriffe sogar Synonyme) Die individuelle Neuausrichtung auf Gott als Vertrauen zu definieren, ist also ein sich beständig wiederholender Schritt. Als Relationsbegriff benötigt "Vertrauen" ein Gegenüber. Dieses Gegenüber, so vertraut es uns als Christen sein mag, ist dennoch immer größer als wir selber. Wäre dem nicht so, so wäre Gott nur ein Gedanke, ein gedachter kleiner Gott - aber eben nicht Gott. In dieser Hingabe an Gott lässt man sich bestimmen, in dem was man tut, denkt und will. Das ist abernicht gemeint im Sinne einer Fernsteuerung, sondern im Sinne der persönlichen Ausrichtung. Es ist das Wissen darum, dass man nicht alles in der Hand haben kann. Es ist die Gelassenheit, dass man nicht alles in der Hand haben brauch.
Ein Manko hat das Vertrauen aber: Es gibt keine Sicherheit - nur Gewissheit.
Doch genau diese Gewissheit speist sich nicht nur aus der Hoffnung, dass Gott es gut mit uns meint und sie speist sich auch aus der Erfahrung, dass er es gut mit uns meint. In dieser Erfahrung merken wir, besonders in schweren Zeiten, dass wir nicht alleine sind - auch entgegen unseren situativ bedingten Empfindungen.
Vertrauen in Gott lernen, als die individuelle Ausrichtung auf Gott hin, bedeutet zu lernen und zu erfahren, zu Gott sagen zu können: "Aber du bist da!"

Donnerstag, 3. Dezember 2015

große Beute


Es existieren mannigfalitige Möglichkeiten sich im Advent neu auf Gott auszurichten. Eine davon beschreibt der Psalmist in Psalm 119,162 - die persönliche Beschäftigung mit dem, was wir "Wort Gottes" nennen.  Ich selber habe viele Varianten kennen gelernt. Das Spektrum reicht vom regelmäßigen Lesen über Stille Zeit, Exegese, Bibliodrama, gemeinsamen Austausch, die Losung bis hin zum sinnieren über einzelne Verse. Doch am wertvollsten wurde mir das regelmäßige Abschreiben einzelner Verse und somit auf Dauer weite Teile der Bibel. Es ist eine intensives sinnieren über einzelne Verse. Schon das Abschreiben an sich lässt mich viele Feinheiten erkennen, die ich sonst einfach überlesen hätte. Die persönliche Auseinandersetzung mit den Versen, sowie die Vernetzung untereinander, gefolgt von dem sich persönlich Hinterfragenlassen bewirkt genau die Freude, welche der Psalmist beschreibt:
"Ich freue mich über dein Wort, wie einer der große Beute macht." 
Das ist weit mehr als nur ein Schatz in der Situation. Frühere Erkenntnisse kann ich stetig nachschlagen. Eigene Entwicklungen darf ich dadurch beobachten, und daraus erkennen, was sich durch meine Ausrichtung geändert hat.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Ein Brief unter vielen

Danke

Einen Brief von einem Freund oder einer Freundin zu bekommen ist etwas tolles. Es scheint zwar eine altmodische Art zu sein, doch ist dies viel persönlicher als eine SMS, eine Chatnachricht oder eine E-Mail. Die Freude wird schon dann entfacht, wenn ich den Briefkasten öffnet und der Brief darin liegt. Das Wissen darum, dass du dir immer extra viel Zeit nimmst, um die richtigen Worte zu finden - das ist etwas sehr wertvolles. Jedes Mal, wenn ich einen Brief bekomme oder einen alten zufällig wiederentdecke merke ich diese Art der Wertschätzung. Danke C., dass du stetig diesen altmodischen, aber edlen Weg wählst.
Ein Brief kann auch als Gleichnis genommen werden. 
Wenn Advent die Vorbereitung auf das Kommen Christi ist und die Einladung an Gott, Teil des eigenen Lebens zu sein, dann sind wir als Christen wie ein Brief Christi. Das bedeutet, dass wir beständig darüber nachdenken sollten, wer was "schreibt". Wir sind zwar nicht auf Papier mit Tinte geschrieben worden, doch sollten wir uns immer wieder bewusst machen, ob wir wirklich gerade "mit dem Geist des lebendigen Gottes" "schreiben", oder ob wir nur selber unser eigenes Ego schreiben lassen. Advent ist also die erneute Ausrichtung auf Gott, dass er in unser Herz schreiben soll. Die Botschaft des Briefes ist, dass der Ewige Mensch wurde und jedem in Liebe begegnen will - auch durch uns. Wenn wir als Briefe Gottes Botschaft und Botschaftsträger sind, dann stehen wir in einer enormen Verantwortung.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Zerbrochenheit

Zerbrochenheit

Advent ist eine Zeit der Vorbereitung. Es ist die Vorbereitung auf das christliche Hochfest, in dem die "Ankunft" (so die wortwörtliche lateinische Übersetzung) des Herrn Jesus gefeiert wird. Es ist das Fest, in dem die Christen verkündigen, dass Gott als Mensch in unsere zerbrochene Welt kommt, die voller Leid und Schmerz ist. Es ist die Botschaft, dass Gott uns in dieser Zerbrochenheit nicht alleine lässt, sondern mitten unter uns mit uns leben möchte. In dieser Vorbereitung wird nicht nur darüber nachgesinnt, was damals vor ca. 2000 Jahren geschehen ist. Auch wird nicht nur darüber nachgedacht, wie Gott auf unser Leben Einfluss hat, wie er unser Tun, Denken und Handeln beeinflussen kann. Es ist ein erneutes inneres Ausrichten. Ein Ausrichten neu auf Gott hin. Es ist die individuelle und kollektive zelebrierte Einladung Gottes in das individuelle und kollektive Leben der christlichen Gemeinschaft. Das ist quasi ein Vertrauensangebot auf existentialer Ebene. Dabei werden nicht nur die guten Seiten Gott "angeboten", nein, der Mensch richtet sich mit seinem gesamten Sein neu auf Gott aus, in seiner gesamten Zerbrochenheit und Gott-abgekehrtheit und erkennt dort ebenso seine Verantwortung vor und in dieser Welt.

Sonntag, 29. November 2015

Mittwoch, 18. November 2015

Licht(-verschmutzung)

Ein kleiner Versuch macht Lust auf mehr für spätere Projekte.

(c)

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